Phonetische Unfälle

1. Der "Tipp"
Eine tschechische Bekannte, die mir gern Haushalts- und Gartentipps gibt, sagte zu mir gestern: „Weißt du, was! Ich habe jetzt einen coolen Tipp.“ Ich – in Erwartung eines Rats bzgl. einer neuen Methode, Marmelade einzukochen o.ä.: „Ja? Was ist das denn für ein Tipp?“ Sie: „Du, das ist so ein genialer Tipp. Mit schwarzen Haaren und blauen Augen, ne? …“ Die Lobeshymnen auf den „genialen Tipp“ gingen dann so weiter. Und obwohl mir klar war, was oder vielmehr wer gemeint war, brauchte mein Gehirn eine ganze Weile, um sich damit anzufreunden, dass der Tipp ein "Typ" war.

2. Der "Stock"
Einer meiner Studenten aus Iran wollte Selleriesaft kaufen. Ich entdeckte schließlich welchen im Reformhaus für satte 8 Euro ein kleines Fläschchen und schrieb ihm eine Nachricht mit dem Preis. Er zurück: „Ein Stock? Na ja, danke trotzdem.“ Ich rätselte einige Tage, was er wohl mit dem "Stock" gemeint hatte. Eine Stange Sellerie? Falsches Wort mit Google-Übersetzer erwischt? Schließlich klärte er mich auf: „Ein Stück“ hatte er gemeint. Das ist zwar in Bezug auf Flaschen tatsächlich nicht das passende Wort, aber von der Aussprache war das insofern interessant, als Perser – wie Araber – häufig „o“, „ö“, „u“, „ü“ nicht unterscheiden können. Er hatte das Wort so geschrieben, wie er es gehört/verstanden hatte.