Arabische Deutschlernende

Im Moment kommen viele Menschen mit Arabisch als Muttersprache zu uns. Sie sollen und wollen Deutsch lernen. Deshalb heute für alle Deutschlehrerinnen/-lehrer einige Infos zum Phonetikunterricht mit Arabisch-Sprechenden.

Phonetischer Vergleich Arabisch-Deutsch

Im Vergleich zum Deutschen gibt es im Arabischen weniger Sprechspannung und weniger ausgeprägte Lippenbewegungen, d.h. keine bzw. wenig Lippenrundung, sowie einen geringeren Gegensatz zwischen betonten und unbetonten Silben.

In einer Silbe können nur maximal zwei Konsonanten hintereinander stehen (vgl. dagegen Deutsch: Herbst), am Wortanfang kann nur ein Konsonant stehen (vgl. dagegen Deutsch: Sprache).

Die Wortbetonung gilt im Arabischen als nicht bedeutungsunterscheidend und auch als zum Teil nicht genau festgelegt. Die „Spezialitäten“ des deutschen Rhythmus durch stärkere Spannung, deutlichere und lautere Artikulation von betonten Wörtern (bzw. Silben) sowie durch Reduktionen, Auslassungen und Assimilationen von nicht betonten Silben und Wörtern finden sich im Arabischen nicht in diesem Ausmaß.

Es gibt im Arabischen drei Vokale: [a], [i], [u] (sowohl als langen als auch als kurzen Vokal). Allerdings gibt es zahlreiche phonetische Varianten und insbesondere durch die umgebenden Konsonanten verändert sich die jeweilige konkrete Realisation des Vokals. a kann z.B. als [ɒ], [a] oder [æ] ausgesprochen werden. Außerdem gibt es zwei Diphthonge: ai und au.

Das Arabische hat zwar insgesamt mehr Konsonanten als das Deutsche, aber es gibt auch deutsche Konsonanten, die im Arabischen unbekannt sind: [p], [g], [v], [ç], [ŋ]. Alle Konsonanten können verdoppelt werden und sind dann bedeutungsunterscheidend, d.h. man muss zwei t lang sprechen: t-t.

Einige typische Ausspracheprobleme

• Die Wortakzentsilbe wird nicht (korrekt) erkannt -> falsche Wortbetonungen (z.B. „Freundschaft“ statt „Freundschaft“).
• Nicht akzentuierbare Wörter werden betont, zu betonende wiederum nicht.
• Reduktionen und Auslassungen werden nicht realisiert (z.B. „malen“: [ˈmalɛn] statt [ˈmaːln̩]).
• ö/ü-Laute werden nicht richtig gebildet bzw. ersetzt durch andere Vokale (z.B. „Kissen“ statt „küssen“ oder „lesen“ statt „lösen“).
• Lange, geschlossene Vokale werden häufig zu kurz gesprochen (z.B. „ihn“ klingt dann fast wie „in“).
• der Unterschied von langem e [eː]– langem i [iː] (leben – lieben) bzw. langem o [oː]– langem u [uː] (Ohr – Uhr) wird nicht gehört und deshalb nicht bzw. ungenügend realisiert.
• p, t, k werden nicht hart genug gesprochen bzw. nicht behaucht, sie tendieren zu b, d, g („packen“ klingt dann ggf. für deutsche Ohren wie „backen“).
• der „ich“-Laut wird durch einen „sch“-ähnlichen Laut ersetzt („Milsch“ statt „Milch“).
• h wird zu stark gesprochen, fast wie „ch“ (z.B. „heiß“ klingt wie „cheiß“), und auch stummes h wird gesprochen.
• z [ts] wird als s [s] gesprochen (z.B. „heißen“ statt „heizen“).
• Bei Konsonantenverbindungen werden Sprossvokale eingeschoben (z.B. „derei“ statt „drei“).
• Das vokalisierte r [ɐ] wird als konsonantisches r realisiert (z.B. „Tor“ statt „Toa“).
• Doppelt geschriebene Konsonanten werden lang gesprochen (z.B. „al-le“ statt „alle“ [ˈalə]).
• Der Ang-Laut [ŋ] wird als zwei Laute „n-g“ oder – im Auslaut – als „n-k“ gesprochen (z.B. „sin-gen“ statt [ˈzɪŋən]).

Aussprachetraining mit dem Praxisbuch Phonetik

Besonders empfehlenswert sind die Kapitel
• Wortakzent (Seite 8-15)
• Rhythmus (Seite 16-21)
• Vokale: e (Seite 38-43 und insbesondere die Vertiefungs-Seite 42 zu e – i)
• Vokale: o, ö (Seite 48-53 und insbesondere die Seiten 52-53)
• Vokale: u, ü (Seite 54-59)
• Vokale: vokalisches r (Seite 64-67)
• Konsonanten: p, t, k – b, d, g (Seite 72-79)
• Konsonanten: s, z, sch; ks (hier die Seiten 92-93)
• Konsonanten: ch, h (Seite 100-105)
• Konsonanten: ng (Seite 110-113)